Lauer Winter reißt Loch in die Kasse - aus dem Freien Wort vom 21.04.2008
Geänderte Rahmenbedingungen machen der Bergwacht-Bereitschaft Scheibe-Alsbach zu schaffen
Von Redaktionsmitglied Andreas Beer
Scheibe-Alsbach – Und plötzlich waren die drei zwölf, acht und sieben Jahre alten Kinder wie vom Erdboden verschluckt. Vermisst im Nebel, irgendwo zwischen Masserberg und Steinheid. Am 5. Februar vergangenen Jahres war also Großeinsatz angesagt für die Scheibe-Alsbacher Bergwacht. Rund ein Dutzend Kameraden rückten mit dem Dienst- und zwei Privat-Jeeps aus das Trio zu suchen, das ein Urlauber-Ehepaar aus Rostock auf seiner Rennsteig-Tour verloren hatte.
Die Vermisstensuche löste sich bekanntlich im Guten auf: Ein Wanderer informierte die Polizei, nach vier Stunden fielen die Kinder erschöpft, aber glücklich den Eltern in die Arme. Es war einer der spektakulärsten Einsätze im Dienstgeschehen der Scheibe-Alsbacher Bergwacht-Bereitschaft im vergangenem Jahr. Kameradschafts-Chef Konni Lutter ging darauf aber nur am Rande ein, als er am Samstag, anlässlich der Jahreshauptversammlung seinen Rechenschaftsbericht verlas. Allein einen Fakt formulierte er aus: Keiner der Beteiligten wolle für die Vermisstensuche Geld. Aber, dass auch strukturell nichts rüberwächst für den Einsatz von Technik oder Team, das gehe auch nicht an, seufzte Lutter.

Zu den eher vergnüglichen Anlässen, zu den die Scheibe-Alsbacher ausrückten, gehörte in diesem Winter ein Ritt mit dem Motorschlitten durch die verschneite Landschaft mit den Steinheider Kindergartenkindern. Solche Aktionen solle es auch weiterhin geben, so Bergwacht-Chef Konni Lutter. Auch wenn die Ausgaben fürs Benzingeld schmerzen, tue Nachwuchsarbeit Not. Fotos: camera900.de/Beer
Bergwachtbereitschaften vorzuhalten gehört bekanntlich nicht zu den Pflichtaufgaben einer Mittelgebirgskommune. Wünsche an Ortsräte und Bürgermeister um Unterstützung bleiben daher vielfach ohne jegliches Echo. Bittbriefe an die Gemeinden im Dienstgebiet der 31-Mann-Truppe jedenfalls blieben vergangenes Jahr oft unbeantwortet, oder sie bescherten, wie im Fall Mengersgereuth-Hämmern oder Siegmundsburg, nur eine kleine Anerkennung. Lutter hofft deshalb weiter auf einen geänderten Status der Bergwacht-Bereitschaften: „Wir brauchen eine Klärung der finanziellen Abrechenbarkeit von sonstigen Einsätzen, wie zum Beispiel der Vermisstensuche. Schade ist, dass sich jeder freut, dass es uns gibt und, dass wir überall helfen. Aber wenn wir Hilfe brauchen, ist selten jemand da. Da zählen Wellenlänge, Parteifreunde usw. mehr, als die Rettung von verletzten Menschen. Für unsere Arbeit brauchen wir eine Rechtsgrundlage, sprich einen Vertrag mit dem Rettungsdienstzweckverband um unsere Einsätze weiter abrechnen zu können.“
Zum neuen Jeep fehlen noch die Lottomittel
Technikwart Chris Wurmehl stellt das „Sorgenkind“ der Bergwachtbereitschaft vor. Der 13 Jahre alte Jeep gehört ausgemustert.
Geldfragen prägten den weiteren Lauf der Veranstaltung im Domizil der Retter, der Bergwachthütte in Scheibe-Alsbach, am Samstag noch in besonderem Maße. „Unsere Aufgaben finanzieren wir aus unseren Einsätzen und Absicherungen“, erinnerte der 38-Jährige. Da aber gerade der Winter 2006/2007 von rau auf lau umschaltete, halbierte sich auch die Zahl abrechenbarer Einsatzstunden in der Skiarena.
Obendrauf kommen Einbußen infolge ausgefallener Veranstaltungen (siehe auch nebenstehenden Infokasten). Die schneefreien Winter, sie reißen Löcher in die Kameradschaftskasse. „Erstmals musste im letzten Jahr ein Finanzierungsantrag an den Kreisverband gestellt werden, damit wir den Gastank für die Hütte füllen konnten. Durch den schlechten Winter fehlten uns dafür einfach die Mittel.“
Auch an andere Stelle macht sich Aderlass bemerkbar. Deutsches Rotes Kreuz, dem die Bergwacht zugeordnet ist, und das Suhler Institut für Transfusionsmedizin gehen bekanntlich seit zwei Jahren getrennte Wege in Sachen Blutspende. Die Termine abzusichern lohnt kaum noch den großen personellen Aufwand.
Beim Konkurrenzkampf hat offensichtlich das Suhler ITM, das Spendern ihre Großzügigkeit bar vergütet, die Nase vorn und das DRK das Nachsehen. Lutter: „Die Zahlen sind total in den Keller gerutscht. Der Übergang vom ITM zum DRK-Blutspendedienst ist in unseren Orten total schiefgegangen. Dies belegen die Zahlen. Drei Spender bei vier Mann von uns plus Abnahmeteam sind nicht zu akzeptieren. Wie lange Scheibe und Steinheid als Spendeort gehalten werden kann, ist offen.“
Vielleicht, so Lutter, bringe es nun etwas, wenn künftig nicht mehr in die Steinheider Grundschule, sondern in Kürze ins Mutter-Kind-Kurheim zur Spende gebeten wird.
Der Zangengriff aus sinkenden Einnahmen und Anforderungen ans Einsatzgeschehen jedenfalls macht sich bereits deutlich bemerkbar. Es sei derzeit undenkbar, verschlissene Dienstkleidung zu ersetzen. Noch drängender ist aber die Frage, wann der überalterte Jeep ersetzt wird. Der 13 Jahre alte Dienst-Opel ist nur noch bedingt einsatzfähig: Das Blaulicht muckt erst wieder, wenn es zuvor einige kräftige Streicheleinheiten mit der flachen Hand bezogen hat, aus der Funkanlage ist jeder gute Geist gewichen.
Entsprechend hoch pegelt die Zahl an Stunden, die die Ehrenamtlichen damit zubringen, selbst besorgte Ersatzteile in Eigen-Reparatur einzubauen. Letzter Sachstand, so Lutter, ist, dass der Sonneberger DRK-Kreisverband für den Ersatz des Jeeps Mittel eingestellt habe. Ihm sei aber signalisiert worden, der Freistaat müsse erst noch Lottomittel freigeben um die Finanzierung rund zu bekommen.
Im Großen und Ganzen zeigte sich Lutter aber zufrieden mit dem Stand der Technik, den die Scheibe-Alsbacher vorhalten können. Drei Motorschlitten sind im Einsatz, zwei davon konnten durch großzügige Einzelspenden von Martina Stauch, Falk Pommer und Thomas Blechschmidt erneuert werden. „Durch die Unterstützung war es möglich, die Schlitten zu beschaffen. Sonst wären wir noch heute auf die alten Buran angewiesen. Schade ist, dass wir keine weitere Unterstützung erhalten haben. Von der Beschaffung über die Finanzierung bis zum Transport waren wir auf uns alleine gestellt. Es gibt aber auch andere Beispiele im Kreis.