Hundestaffel zu Besuch
Neben dem regulären Training, das bei der DRK RHS Köln zweimal wöchentlich stattfindet, sind die regelmäßigen Staffelfahrten ein wichtiger Baustein der Ausbildung. Durch die konzentrierte Arbeit über mehrere Tage hinweg kann hier besonders intensiv mit den einzelnen Teams gearbeitet werden. Dies zeigt sich gerade bei den Junghunden an den enormen Ausbildungsfortschritten, die diese im Laufe einer solchen Ausbildungsfahrt machen.
So nahm ein Teil der Staffel, bestehend aus 10 Hundeführern und 11 Hunden, vom 4. bis 7. August 2006 am 2. Sommer-Ausbildungswochenende in Scheibe-Alsbach im Thüringer Wald teil, wo uns die Bergwacht freundlicherweise ihre Hütte als Koch- und Schlafgelegenheit für das Wochenende zur Verfügung stellte.
Nach der gemeinsamen Anreise am Freitag und dem Beziehen der Unterkunft in den Räumlichkeiten vor Ort bzw. in den mitgebrachten Zelten begann das Training für die Hunde am Samstagmorgen in einem Waldstück nahe der Bergwacht-Hütte. Die Ausbilderinnen Ingrid Grimm und Margit Pfingst hatten sich ein umfangreiches Arbeitspensum für die bevorstehenden 2,5 Trainingstage vorgenommen. Als erster Programmpunkt stand Motivationsförderung in Form von kurzen Anzeigeübungen auf den Plan. Nach der erfolgreichen Anzeigeübung wird der Hund natürlich durch ausgiebiges Spielen belohnt. Bei einem Kraftpaket wie dem 2-jährigen Labradorrüden Luc kommt man dabei als Versteckperson schon mal ganz schön ins Schwitzen.
Hektisches Tuscheln zwischen unserem Führungsteam und Konni ließen während des Vormittags die Hundeführer rätseln, was für eine Überraschung da wohl so emsig vorbereitet wurde. Unbeeindruckt von der Unruhe im Hintergrund warteten die Hunde wie hier Indra und Moody währenddessen auf ihren ersten Einsatz:
Nach einer kurzen Mittagspause wurde endlich das Geheimnis gelüftet: Den Teams stand eine Einsatzübung inklusive Sessellift-Fahrt bevor. Rasch machte sich jeder einsatzbereit und die Fahrzeugflotte setzte sich in Bewegung Richtung Skiarena Silbersattel in Steinach. Regelmäßiges Vertrautmachen mit für unsere Hunde nicht alltäglichen Transportmitteln wie Motorschlitten, Booten, Sesselliften oder auch mal einem Hubschrauber sind ein wichtiger Aspekt der Ausbildung, da es im In- und Auslandseinsatz immer wieder zu ungewöhnlichen Transportsituationen kommen kann. Je besser ein Hund hierauf vorbereitet ist umso souveräner wird er im Ernstfall damit umgehen. Das Vertrauen zu „seinem“ Hundeführer spielt dabei eine wesentliche Rolle.
Für viele unserer Teams stellte die bevorstehende Sessellift-Fahrt eine Premiere dar und den ein oder anderen beschlich schon ein mulmiges Gefühl als er am Fusse des Lifts stand und überlegte, wie er diesen wohl gemeinsam mit seinem Hund bewältigen würde. Sass man aber erstmal drin, zeigte sich, dass die Hunde allesamt die Situation gelassen meisterten und man wurde durch das wunderschöne Bergpanorama belohnt:
Nicht alle Hundeführer allerdings waren während der Fahrt so völlig entspannt wie hier Thom mit Luc:
Oben angekommen begann nach einer kurzen Verschnaufpause die Einsatzübung: In einem dicht bewachsenen Waldstück wurden zwei Personen vermisst. Susanne Linden, die diesmal als Einsatzleiterin fungierte, verschaffte sich zunächst ein genaues Bild von der Lage und teilte dann die zur Verfügung stehenden 7 Teams auf verschiedene Abschnitte des Geländes auf.
Unterteilt in zwei Gruppen wurde von den geprüften Rettungshundeteams und den bereits in der Ausbildung fortgeschrittenen Junghundeteams ein Gelände von je 100 Metern links und rechts eines Weges abgesucht. Jedes unbekannte Suchgebiet hat seine Eigenheiten. Bei dieser Suche bestand aufgrund der Dichte des Bewuchses die Herausforderung darin, dass der nahe dem Weg gehende Hundeführer diesen als Orientierungshilfe nutzte und dass die nebeneinander arbeitenden Teams darauf achteten, in Rufkontakt zu bleiben und nicht von der vorgegebenen Suchrichtung abzuweichen. Hier zeigte sich mal wieder, dass eine gute Abstimmung im Vorfeld die Arbeit wesentlich erleichtert.
Nachdem beide Personen gefunden waren, konnte jeder in der gemeinsamen Feedbackrunde seine Erfahrungen schildern und Verbesserungsvorschläge äußern. Die Kombination von Selber-Ausprobieren-Können und dem anschließende Erfahrungsaustausch mit den „alten Hasen“ ist dabei für die jüngeren Hundeführer immer wieder lehrreich und auch für den ein oder anderen langjährigen Rettungshundeführer ergibt sich in so einer Runde doch immer mal ein neuer Aspekt.
Im Anschluss an die Übung wurden je nach Ausbildungsstand mit den restlichen Junghunden kürzere Suchen im dichten Wald oder Verbellübungen gemacht. Nach dem gemeinsamen Abstieg und einem kurzen Zwischenstopp in der Eisdiele von Steinach kehrten wir abends zurück in die Bergwachthütte und machten uns an die Vorbereitung des Abendessens.
Dank der langen Trainingstage und des gemütlichen Beisammenseins nach dem Abendessen sind die Nächte in Thüringen immer recht kurz, was diesmal wegen der nächtlichen Stürme und Regenfälle dem ein oder anderen Zeltbewohner sicherlich entgegenkam. So krabbelt man gegen Ende der Fahrt morgens meist nicht ganz ausgeschlafen aus dem Schlafsack, aber beim gemeinsamen Frühstück werden nach und nach alle wach:
Da Rettungshundeführer selbstverständlich wetterfest sein müssen, nutzten wir den Sonntag und am Montagvormittag unbeeindruckt vom Dauerregen die einmaligen Trainingsmöglichkeiten in der direkten Umgebung der Hütte, um mit den einzelnen Teams entsprechend ihrem Ausbildungsstand individuell zu arbeiten. Dabei wurden die Hunde unter anderem mit ungewöhnlichen Opferbildern konfrontiert und fanden die Versteckpersonen unter einem Gitterrost mitten auf dem Waldweg liegend oder auf einer Bank in einer finsteren Hütte stehend vor.
Nachdem das Wochenende leider viel zu schnell vorüber war, wurden am Montagmittag rasch die Sachen in die Autos verstaut und wir machten uns ein wenig k.o. aber zufrieden auf den Heimweg. Dank des Engagements unserer Ausbilder, der optimalen Trainingsmöglichkeiten und des Einsatzes von Konni Lutter und den weiteren Bergwacht-Kameraden - wofür wir uns noch mal herzlich bedanken möchten - ist jede Thüringen-Fahrt ebenso lehrreich wie einmalig und viele von uns fühlen sich dort inzwischen schon ein wenig heimisch.
So hat der ein oder andere auf dem Heimweg sicher schon mal die Wochen bis zur nächsten Thüringen-Fahrt im Januar gezählt – getreu dem Motto: Nach-Thüringen ist Vor-Thüringen!

