Wenn beim Schlepplift die weiß-rote Fahne hängt
Von Cindy Scheler
Steinach – Der Winter meint es gut mit Steinach. Seit drei Wochen bedecken fast täglich echte Frau-Holle-Flocken die vierzig Kubikmeter Kunstschnee vom Dezember. Der Geschäftsführer der Skiarena Silbersattel, Gerhard Müller, rechnet angesichts der weißen Ein-Meter-Schicht mit einer langen alpinen Saison und einer Menge Besuchern. 20000 hat er in diesem Winter schon durch die Skianlage am Fellberg geschleust.
Das sind nach seinen Angaben 4000 mehr als im selben Zeitraum des Vorjahres. Steinach hat sich als Wintersportdomizil herumgesprochen. Wenn sich an den Wochenenden Skifahrer von Berlin, Leipzig oder Bamberg an den Liften drängeln, hat auch Konni Lutter Großkampftag. Er ist Rettungssanitäter der Bergwacht Scheibe-Alsbach und gemeinsam mit seinen Kollegen zur Stelle, wenn es Unfälle auf der Piste gibt. Zwei Jahre machte er jetzt den Job, beobachtet mit dem Funkgerät im Anschlag Snowboarder, Carver und Co.: „Man wundert sich manchmal schon, mit welcher Risikobereitschaft sich Leute von der schwarzen Piste stürzen, die das Fahren gar nicht richtig können.“ Doch Unfälle können auch versierten Skipiloten passieren, weiß Lutter.
Der Hilferuf kommt meist über Funk oder Handy vom Liftpersonal. Mit Motorschlitten und Erste-Hilfe-Utensilien rücken Konni Lutter und seine Mannschaft sofort aus und versuchen, den verunglückten Skifahrern zu helfen. Bei schweren Verletzungen holen sie den Rettungswagen, der die Beckenfrakturen, gebrochenen Knöchel und Bänderrisse in die Notaufnahme nach Neuhaus am Rennweg bringt. Das betrifft rund 15 Fahrer pro Saison. Die Dunkelziffer liegt aber bestimmt höher, vermutet der Rettungsmann in der roten Uniform mit den gelben Leuchtstreifen. „Im letzten Jahr ist es sogar einem Arzt passiert, dass er erst zu Hause seine Verletzung bemerkt hat.“ Das wirkliche Ausmaß von Verletzungen könne auch nicht immer direkt vor Ort eingeschätzt werden.
„Ohne die Bergwacht ginge es bei uns nicht, denn wir als Laien könnten nicht viel ausrichten bei Skiunfällen“, sagt einer der Betriebsleiter des Silbersattels, Axel Gramß. Bis jetzt seien zum Glück keine ganz drastischen Fälle vorgekommen bis auf die Hubschrauberrettung vor zwei Wintern. Vorbereitet wollen die Macher vom Silbersattel trotzdem auf alles sein: Bliebe beispielsweise der Sessellift stehen, so müssten innerhalb von zwei Stunden alle Insassen heruntergeholt sein, damit sie keine Erfrierungen davontragen. „Das passiert dann mit einem speziellen Rettungskommando und Seilzügen“, erzählt Konni Lutter. Für alle Skifahrer also ein gutes Gefühl, wenn an der Schlepplift-Station die weiße Fahne mit dem roten Kreuz draußen hängt. Denn dann sind auf jeden Fall versierte Rettungskräfte vor Ort.
Artikel im Freien Wort vom 12.02.2003

