Es kommt keiner mit gefülltem Geldkoffer

Freie Wochenenden und Freizeit gibt es für die Bergwachtler aus Scheibe- Alsbach nur recht selten. Kein Problem, wenn man gerne ehrenamtlich aktiv ist. Doch die Mitglieder leiden zunehmend unter finanziellen Engpässen.

Von Doreen Fischer

Freizeitvergnügen für die einen, geopferte Freizeit für die anderen. Ohne die Bergwacht läuft in der Skiarena Silbersattel kein Wintersport. Foto: camera900Scheibe-Alsbach - In gemütlicher Runde hatten sich die Männer und Frauen der Bergwacht am Freitagabend zusammengefunden. Über ihre Arbeit, aber auch die damit verbundenen Probleme, wollten sie berichten. Und nahmen es dafür sogar in Kauf, eine Stunde lang auf Bürgermeisterin Marianne Reichelt zu warten, die zeitgleich zu mehreren Veranstaltungen eingeladen worden war. "Es ist das erste Mal seit vielen Jahren, dass ein für uns zuständiger Bürgermeister hierher zu uns kommt", freute sich Konni Lutter, Chef des Scheibe-Alsbacher Teams, mit insgesamt 35 Mitgliedern. Zum harten Kern zählen rund 20 Männer und Frauen. Diese hatten allein im letzten Jahr, so rechnete Sebastian Kirchner vor, 2563 Stunden geleistet. Alles ehrenamtlich, versteht sich. Seien es nun Sanitätsdienste, Übungen, Ausbildungen, Wachdienste oder Verwaltungsarbeit - all das wird von den Bergwachtlern in Eigenregie übernommen.

Da versteht es sich fast von allein, dass auch die Wartung der Technik hinzu kommt. Reparaturen gehören ebenso dazu wie Winterfestmachung oder Instandsetzungen von Motorschlitten. Den Jeep beispielsweise haben die Kollegen in Eigenleistung komplett so umgebaut, wie sie ihn benötigen.

Doch ganz ohne finanzielle Mittel geht es eben nicht. Wenn beispielsweise ein Reifen bei einem Einsatz kaputt geht, dann müssen die wenigen finanziellen Mittel angegriffen werden. Auch die drei Motorschlitten wurden aus dem kleinen Budget finanziert. Hinzu kommen die Kosten für die Schutzhütte, die sich direkt unterhalb des Biathlon-Stadions in Scheibe-Alsbach befindet.

Förderverein gegründet


Die Hälfte aller Wochenenden sind die Mitglieder unterwegs. 50 bis 60 Verletzte pro Jahr haben sie zu versorgen. Damit führen sie, gemeinsam mit den Oberhofer Kameraden, die Statistik an. Sie haben im Pumpspeicherwerk Goldisthal ein völlig neues Rettungssystem aufgebaut, bei dem Verletzte mit der Drehleiter gerettet werden können. Sportveranstaltungen werden ganzjährig von den Mitgliedern abgesichert. Bei so viel Engagement möchte man doch meinen, dass genügend Gelder fließen. Doch das Gegenteil ist der Fall.

"Rund 3000 Euro brauchen wir im Durchschnitt pro Jahr, nur um das Notwendigste überhaupt absichern zu können", betont Konni Lutter. Finanzielle Mittel, um neue Einsatzbekleidung zu kaufen, gibt es keine. Im letzten Winter hatte die Sparkasse einen Teil dafür übernommen. Das ist gut so. Denn allein eine Grundausrüstung kommt auf 1500 Euro. Da verwundert es kaum, dass der eine oder andere Helfer in Bekleidung unterwegs ist, die neun Jahre und länger auf dem Buckel hat. "Die Sachen haben nicht mal mehr warm gehalten", schüttelt Sebastian Kirchner den Kopf.

Doch die Bergwacht in Scheibe-Alsbach weiß sich selbst zu helfen. Am letzten Freitag gründete sie einen Förderverein. "Damit wir nicht immer betteln und nicht um jeden Euro und jedes Bauteil ringen müssen ", heißt es. Nun also können sie auch mal in den Genuss von Lottomitteln oder Spenden kommen.

So hat übrigens der jetzige Winter mit einer großen Ausgabe ein empfindliches Loch in den Bergwacht-Finanztopf gerissen. Ein einziges benötigtes Bauteil kostet satte 1500 Euro. Angesichts dieser Summe möchte sich über die anfallenden Benzinkosten für die Motorschlitten derzeit niemand Gedanken machen.

Bürgermeisterin Marianne Reichelt kann all diese Argumente allzu gut verstehen. Nur sind auch ihr in Sachen Finanzen die Hände gebunden. "Einfach mal 1000 Euro aus dem Stadtsäckel, das geht leider nicht. Aber ich kann versuchen, Türen zu öffnen", verspricht sie. Und sie überlegt laut, ob eine Zusammenarbeit der Bergwachten Neuhaus, Lauscha und Scheibe-Alsbach kein Einsparpotenzial bringen könnte. Als Antwort bekommt sie zu hören, dass schon seit längerer Zeit gemeinsame Ausbildungen zur Tagesordnung gehören. "Es kommt keiner mit gefüllten Koffer", lautet das Fazit.

Gut, dass sich die Kameraden dennoch motivieren können. Mehrere Lehrgänge haben Norman Stollberg, Heinrich Meusel und Sebastian Kirchner in der letzten Zeit absolviert und dafür jetzt ihre Zertifikate erhalten. Zudem gab es für die jungen Männern neue Dienstausweise.

Norman Stollberg, Heinrich Meusel, David Greiner-Bohl, Christopher Reißmann und Sebastian Kirchner haben ein Dankeschön von Bürgermeisterin Marianne Reichelt erhalten. Foto: D. Fischer Marianne Reichelt nutzte die Gelegenheit, um Danke zu sagen. Denn fünf Mitglieder aus Scheibe-Alsbach waren in diesem Jahr beim Hochwassereinsatz in Sachsen-Anhalt dabei. Nach dem Eintreffen des Hilferufs waren sie innerhalb von nur zwei Stunden auf dem Weg nach Magdeburg. Doch so kurzfristigen Freistellungen vom Arbeitgeber haben auch ihre Tücken. "Was nützt es mir, wenn ich als Helfer von einem Einsatz zurück komme und habe keinen Job mehr", machte Sebastian Kirchner auf einen Punkt aufmerksam, den so mancher Freiwillige irgendwann schon einmal bedacht hat.