Bergretter: Investition nötig

Mit einer großen Übung haben acht Bergwachten der Region die Evakuierung des Fallbachliftes am Oberhofer Alpinehang geprobt. Ihr Fazit: Es sollte weiteres Rettungsgerät angeschafft werden.

Von Heike Jenzewski

Oberhof - Innerhalb von 100 Minuten hatten die Bergretter am Samstag 25 Fahrgäste des Fallbachliftes aus ihrer misslichen Lage befreit. Im Falle eines technischen Defektes und Stillstandes der Anlage sollte ein Lift in zweieinhalb Stunden beräumt sein, nennt Rainer Mahn von der Oberhofer Bereitschaft einen Richtwert für Liftbetreiber. Also alles gut?

Nicht ganz. Drei Rettungsgeräte hat der Betreiber des Fallbachliftes, die Tourismus GmbH, vor Ort stationiert, alle drei waren am Samstag im Einsatz. Sind mal nicht nur 19 Sessel besetzt so wie bei der Übung, sondern bergseitig alle 40, dann reicht das nach Ansicht der Einsatzleiter, Daniel Fritzsche und Rainer Mahn, nicht aus. "Es gibt zwar keine Rettungsfristen, aber es geht um Leib und Leben", so Mahn. Die Empfehlung, die die beiden Oberhofer geben werden: noch mindestens zwei Rettungsgeräte im Wert von je etwa 1000 Euro anschaffen. Fritzsche, Leiter der Bereitschaft Oberhof, kann sich auch vorstellen, dass sich an der Investition das Thüringer Wintersportzentrum als Betreiber des Liftes an der Schanzenanlage im Kanzlersgrund beteiligt. Dort gebe es bislang gar keine Rettungssysteme beziehungsweise nur Leitern. Wenn es nach den Bergwachtlern geht, die im Ernstfall an beiden Orten zum Einsatz kommen, sind hier wie da Geräte stationiert, mit denen sie schnell und effektiv arbeiten können.

Realitätsnah geübt

Darüber hinaus zieht die Einsatzleitung ein positives Fazit. "Wir haben relativ realitätsnah mit vielen besetzten Sesseln üben können. Wir haben im Ablauf festgestellt, was verbessert werden muss und was wir vielleicht anders organisieren können. Ich bin froh, dass alles so gut geklappt hat", äußerte sich Rainer Mahn kurz nach dem Mittag, als alle "Opfer" geborgen waren. Allesamt Nachwuchsmitglieder (oder angehende) der Bereitschaften Zella-Mehlis und Oberhof. So wie Sven Schubert aus Erfurt, der sich mit dem Gedanken trägt, bei der Bergwacht mitzumachen. Hier wollte sich der 21-Jährige mal von den Aufgaben ein Bild machen. Auch Richard Willing aus Oberhof saß auf einem des Sessel und wurde, endlich wieder am Boden, von Kameraden aus Reichenhausen in Empfang genommen und versorgt. Natürlich tat dem 13-Jährigen nichts weh, aber es sollte ja alles so praxisnah wie möglich ablaufen. Das Abseilen hat er sich schlimmer vorgestellt, zeigt sich Richard nach der Übung einigermaßen erleichtert.

Dafür mussten sich die Retter zunächst auf die Liftstützen begeben, erläutert Fritzsche, Referent der DRK-Bergwacht Thüringen den Einsatz. Von dort werden sie übers Tragseil des Liftes an den Sessel herangezogen, immer talwärts. Die Personen auf dem Sessel müssen abschließend mit einem Gurt gesichert und abgelassen werden.

Noch zwei Optionen

Bei Normalbetrieb im Winter sind die 40 Sessel bergseitig besetzt, maximal 80 Personen müssen also evakuiert werden. Sollte dieses Szenario eintreten, haben die Bergretter zum Glück neben der Anforderung von Gerät anderer Bereitschaften noch zwei Optionen. Eine davon, die Rettung über die Drehleiter der Freiwilligen Feuerwehr Oberhof, wurde am Samstag vom Gelände der Rennschlitten- und Bobbahn aus getestet, der Korb zur Bergung bis an den Sessellift ausgefahren. Eine weitere Option ist Daniel Fritzsche zufolge der Einsatz eines Sprungkissens der Feuerwehr. Das kann aber nur im Winter bei Schnee und auch nur mit Puppen geübt werden. "Damit könnten wir vielleicht den oberen Teil beräumen, in dem sich der Funpark befindet."

Hartmut Koch, stellvertretender Bereitschaftsleiter der Bergwacht Zella-Mehlis, fand für den Einsatz nur lobende Worte. Seine sieben Kräfte waren gemeinsam mit Gehlberger und Goldlauterer Kameraden zwischen den Stützen 6 und 5 im Einsatz. Außerdem stellten die Zella-Mehliser zehn "Fahrgäste" aus den Reihen ihres Nachwuchses. "Das war top organisiert. Wir führen ja oft kleinere Übungen durch. Aber es war gut, jetzt mal in einer so großen Runde mit vielen Bergwachten alles zu trainieren", sieht sich Koch gut für den Ernstfall aufgestellt. Und auch für Alex Lenhard, Leiter der Bergwacht Reichenhausen, war die Teilnahme an der Übung keine Frage. Zwar bildet seine Bereitschaft mit Oberhof und Zella-Mehlis im Winter eine Dienstgemeinschaft und sei oft am Fallbachlift oder zur Absicherung von Großveranstaltungen in Oberhof dabei. Aber sich auf einen Notfall einzustellen, sei noch mal was anderes. "Da muss jeder wissen, was zu tun ist", so Lenhard.