An den Grenzen der Belastbarkeit

Die Situation in den ostdeutschen Hochwassergebieten lässt auch den Helfern aus dem Landkreis Sonneberg keine Atempause. Am Wochenende wurden sie wieder in Marsch gesetzt - dieses Mal in Richtung Magdeburg.

Sonneberg - Am Samstagabend war das Wochenende für knapp zwei Dutzend ehrenamtliche Helfer aus dem Landkreis Sonneberg beendet. Pünktlich eine Woche nachdem zuletzt der Katastrophenschutz-Zug in Richtung Ostthüringen in Marsch gesetzt wurde, mussten dieses Mal zumeist Mitglieder des Roten Kreuzes und der dem Sozialverband angeschlossenen Bergwachten ran. Alarmiert wurden zum Beispiel die Angehörigen des DRK-Sanitätszugs aus Steinach oder des Versorgungszugs aus Oberlind.

Sammelpunkt der Retter war an der SBBS in Steinbach. Von dort ging es gegen 21 Uhr gen Sachsen-Anhalt. Mit sechs Fahrzeugen setzte sich der Konvoi in Bewegung und war die ganze Nacht unterwegs. 21 Freiwillige zählten zur Besatzung, darunter Angehörige der Bergwachten aus Scheibe-Alsbach und Lauscha, sowie von den beiden Sanitätsbereitschaften aus Steinach und Sonneberg. Auch Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehren aus Ernstthal und Effelder waren an Bord. Da die Feuerwehr in Effelder bestens ausgebildete Sanitäter in ihren Reihen zählt, wurden diese dem DRK-Zug unter der Leitung von Andy Söllner zugeordnet.

Der Stadt Wittenberge im Kampf gegen das Hochwasser beizustehen lautete hingegen die Herausforderung an die Feuerwehr Sonneberg-Mitte, die am Wochenende mit einem FL 16 bei der Deichsicherung aushalf.

Hilfe bei der Evakuierung

In Sachsen-Anhalt war es vor allem die merkwürdige Ungleichzeitigkeit der Eindrücke, die mancher Ehrenamtliche kaum überein bekam: Einmal strahlend-blauer Himmel, andrerseits eine lebensbedrohliche Hochwasser-Situation. Dem Kaiserwetter stand stets die Katastrophe zur Seite - die Wucht anrollender Wassermassen und brechender Deiche.

Diese Katastrophen-Schützer aus dem Landkreis unterstützten am Sonntag die Evakuierung eines größeren Stadtteils in Magdeburg. Foto: Rempel "Hier brennt die Sonne und hier brennt die Luft", übermittelte das Bergwacht-Quintett aus Scheibe-Alsbach zum Beispiel am frühen Nachmittag des Sonntag einem daheim Gebliebenen. Zu diesem Zeitpunkt war gerade die Evakuierung eines größeren Stadtteils von Magdeburg angeordnet worden, bei der Sonnebergs DRKler die Regie übernehmen sollten. "Man macht sich keine Vorstellungen, was hier abgeht. Das sind ja fast kriegsähnliche Zustände. Die Menschen drehen frei, überall herrscht Panik", übermittelte um kurz vor 14 Uhr Ronny Söllner per Handy an Freies Wort. Der Einsatzleiter des DRK-Zuges sagte, er rechne jetzt jeden Moment mit dem Marschbefehl. So sollten die Sonneberger mit anderen Hilfskräften einen größeren Verband bilden, um dann einen vom Hochwasser überfluteten Wohnbezirk zu räumen.

Man sei die ganze Nacht über in ständiger Abrufbereitschaft gewesen, so Söllner. "Uns sitzt hier natürlich ein möglicher Dammbruch im Nacken. Wir müssen also dauernd dafür Sorge tragen, im Notfall sofort flüchten zu können, bevor das Wasser kommt." Von daher mochte Söllner das Risiko nicht kleinreden. Eigensicherung ist erste Pflicht, damit am Schluss alle körperlich unbeschadet wieder nach Hause kommen. "Wir beten und hoffen, dass wir vielleicht schon am Dienstag wieder abrücken dürfen", so Söllner gegenüber Freies Wort.

Der "Außeneinsatz" der Sonneberger war am Wochenende Teil einer größeren Hilfsaktion. Um die 1000 Helfer entsandte der Freistaat ins Nachbarland.

"Eine extreme Situation"

Das Aufeinandertreffen einer sich zuspitzenden Katastrophe im Norden Deutschlands und die diversen Einsätze am Wochenende in heimischen Gefilden? Mario Ambrosius spricht von einer extremen Situation. Einerseits, so Sonnebergs Kreisbrandinspektor, ist gerade der Katastrophenschutzzug aus Bad Köstritz zurück gekehrt.

Andererseits wäre eine neuerliche Mobilisierung für den Katastrophenfall in der Elbstadt sicher eine gern angenommene Hilfe gewesen. "Doch man kann sich das Personal ja nicht aus den Rippen schwitzen. Wenn die Leute gerade eine Woche unterwegs waren, da klatscht nicht jeder Arbeitgeber Beifall, wenn er hört, seine Leute sind womöglich schon wieder weg."

Von daher wurden nach Magdeburg vorrangig DRKler entsandt. Und als Resümee eines Wochenendes mit Starkregen und Unwetter am Sonntagmittag bzw. eines Großbrandes im Sonneberger Stadtgebiet in den frühen Morgenstunden?

"Das zehrt natürlich an den Nerven unserer Leute", so Ambrosius. Mancher Freiwillige hatte schon am vergangenen Wochenende bis zum Umfallen seinen Mann gestanden in Bad Köstritz. Dazu kommen nun die Einsätze im Landkreis.

"Man kommt an seine Grenzen, das zeigt sich deutlich ", so Ambrosius. Dass solche Dopplungen bei der Beanspruchung der Freiwilligen eintreten, davon sie ja immer wieder theoretisch die Rede gewesen in der Vergangenheit. "Nun haben wir die Situation."