Freies Wort vom 06.03.2013 -Pistenspaß im größten Skigebiet Thüringens
Das erste Wochenende im meteorologischen Frühlingsmonat brachte den Betreibern der Skiarena "Silbersattel" in Steinach einen wahren Ansturm an Gästen.
Steinach - "Es ist Feierabend!" - so erklang es am vergangenen Samstag gegen 16.30 Uhr von der Bergstation der Skiarena Silbersattel auf 840 Meter Höhe. Ein herrlicher Wintertag mit viel Sonne, die sich wohl ein jeder nach den vielen trüben Wochen ersehnt hat und dazu obendrein einen Weitblick ins Frankenland bot, neigte sich seinem Ende entgegen. Insgesamt nutzten an diesem Tag 842 Skifahrer das Angebot des größten Skigebiets Thüringens. Bei einer Tageshöchsttemperatur von 1,5 Grad Skispaß für Alt und Jung.
Die sich wohl am vergangenen Wochenende besonders über den Sonnenschein freuten, waren die Teilnehmer der Norddeutschen Meisterschaften im alpinen Skisport, an denen ebenso Skisportler aus anderen Bundesländer teilnahmen, um schließlich auch am DSV-Punkterennen dabei zu sein. "Ich vermute, dass wir heute noch mit mehr Zulauf hätten rechnen können, wenn nicht der Wettbewerb an diesem Wochenende veranstaltet worden wäre. Natürlich sind solche Veranstaltungen in Steinach eine feste Größe", erklärt Uwe Hutschenreuter, staatlich geprüfter Skilehrer und Leiter der Ski- und Snowboardschule am Silbersattel in seiner Funktion als Leiter der Skiausleihe. "Es hat eben alles seine Vor- und Nachteile", legt er betreffs der zahlreichen Termine nach, wobei der Werbeeffekt dieser Teilnehmer sicher äußerst positiv zu sehen ist. Die Skiausleihe eines Tettauer Sportgeschäfts habe an so einem Tag gut 200 Besucher mit einer Skiausrüstung ausgestattet. Dann hätten fünf bis sechs Leute gut zu tun, so Hutschenreuter weiter.
Heidi Greiner (45) aus Ernstthal hatte gut 20 Jahre mit Skifahren ausgesetzt. Vor zwei Jahren ist sie allerdings wieder auf den Geschmack gekommen und lässt seitdem keine Gelegenheit mehr aus, die Bretter anzuschnallen, wenn es die Bedingungen zulassen. "Ich habe schon als Kind das Skifahren gelernt, wie jeder es in Ernstthal, in der Schule und daheim gezeigt bekommt", berichtet sie. Sie bedauert, dass nicht mehr Einheimische hierher kommen. "Nicht jeder hat solche optimalen Bedingungen quasi vor der Haustür."
Nicht allein das schöne Wetter hat die Ernstthalerin auf die Piste gerufen. "Hätte es heute keine Sonne gegeben, wäre ich trotzdem in die Skiarena gekommen", gesteht sie, auch wenn es sie ab und an nach Österreich zieht. Prinzipiell sieht sie sich aber in Ernstthal am Lift oder eben in Steinach.
Aus Bad Tennstedt, der kleinen Kurstadt im Unstrut-Hainich-Kreis im Norden Thüringens, fanden Jörg Fischer (48) und Lothar Brand (55) den Weg zur Skiarena. "Wir sind das erste Mal hier und es gefällt uns hier sehr gut", bekennen die beiden Männer. Sie beteuern, dass sie unbedingt das nächste Jahr wieder hier sein werden. "Das hätten wir so nicht erwartet", bekräftigen sie ihren durchweg positiven Eindruck. Erstaunt waren sie unter anderen über die guten Wintersportbedingungen hier und die Resonanz am Silbersattel. Gute Pisten, zufrieden stellende Verpflegung und auch den Service der Skiausleihe erwähnen sie lobend.
Ein kleiner Knirps kommt auf der roten Piste zur Mittelstation herunter gebraust, um flugs mit dem Papa wieder per Sessellift nach oben gebracht zu werden. Gerne halten Vater und Sohn mal für einen Moment inne, um sich zu vorzustellen und zu berichten, was sie an den Rennsteig zieht. André Buhle (39) und sein Stammhalter Eric kommen aus Leipzig. Das zweite Wochenende hintereinander per Kurztrip von Freitag an. Eric ist erst sieben Jahre alt und steht schon seit vier Jahren auf den Latten. Das Skifahren hat er in Österreich erlernt. Auf seinem blauen Skihelm steht "Eric" zu lesen und ist scheinbar ein Souvenir aus dem Ösi-Land.
"Wir waren auch schon im Sommer hier am Rennsteig", platzt André Buhle heraus und schwärmt von den Ausflügen zur Oberweißbacher Bergbahn und seinen Einkäufen von Weihnachtsbaumschmuck im Winter. "Ja, in Seiffen", will der Dreikäsehoch ergänzen und zeigen, dass er mitreden kann. Vater André verbessert Erics Irrtum nachsichtig. Vor einer Woche seien sie das erste Mal nach Steinach gekommen. Das war gewissermaßen ein "Ausweichmanöver", denn die Leipziger hatten sich eigentlich für Oberwiesenthal entschieden. "Dort war es zu voll. Über die Webcam in der Skiarena habe ich mich für die Skiarena in Steinach entschieden", berichtet Buhle Senior und ist voll des Lobes. Demnach sei wohl alles top. In der Vorwoche übernachtete man in Neuhaus und nun in unmittelbarer Nähe der Skiarena.
Die rote (mittel) und die schwarze Strecke (schwer) haben die Zwei zusammen bewältigt. "Auf der schwarzen Piste hat es ihn ausgeschenkelt", verrät der Vater schmunzelnd und wenn man den kleinen Schelm mit seinem großen Helm und der Skibrille sieht, weiß man, dass es ihm nichts ausmacht, wenn er mal in der weißen Pracht landet. "Wir kommen bestimmt wieder", verspricht Papa Buhle und schon geht es zum Sessellift zur nächsten Tour, die über 640 Metern bei 30 Prozent Gefälle ins Tal führt.
Die Leute von der Bergwachtbereitschaft Scheibe-Alsbach stehen täglich ihren Mann, wenn die Skiarena geöffnet hat, bestätigt Christopher Reißmann aus Steinheid, der seinen ehrenamtliche Tätigkeit bei den Bergwachtlern ausübt. "Wir sind mindestens mit zwei Leuten vor Ort", sagt er und dass sie auch die Wettbewerbe hier mit absichern. Am Ende des Tages resümieren die Kameraden der Bergwacht über einen Patienten, der sich mit Kreislaufbeschwerden in ärztliche Behandlung begeben musste. Die Männer kennen aber auch andere Tage. Seit dem 1. Januar 2013 haben sie 51 Versorgungen geleistet, sechsmal wurde der Notarzt gerufen, 21 Transporte gab es in die Klinik und zweimal kam der Rettungshubschrauber zum Einsatz. Der Leiter der Bergwachtbereitschaft Scheibe-Alsbach, Konni Lutter, teilt mit, dass sein Team bisher in diesem Winter insgesamt 220 Stunden vor Ort gewesen sei.
Wie von den Mitarbeitern des Liftbetriebs zu erfahren war, sind es wohl überwiegend Gäste aus Oberfranken, die die Skiarena in Steinach besuchen. Und selbst Schulklassen, wie die am vergangenen Donnerstag aus Kulmbach, sehen den Silbersattel als geeignete Lokalität, um die Schüler mit dem Wintersport vertraut zu machen. Da werden Stimmen laut, warum denn die hiesigen aus nächster Nähe unbedingt nach Österreich müssten, um Skifahren zu lernen. Dort könnten sie doch auch dann noch hin, wenn sie schon soweit sind, dass sie sicher auf den Brettern stehen.
Warum in die Alpen?
Beispielsweise hätte Neuhaus einen Lift, der sich dazu eigne, Schülern das Skifahren zu lernen. Oder sichern Lehrer sich damit einen Winterurlaub? Solche und ähnliche Fragen hört man aber nicht nur an den Pisten der Steinacher Skiarena, sondern auch anderswo.
Wie die Resonanzen bei dieser spontanen Umfrage zeigen, gibt es jedoch eindeutige Bekenntnisse pro Silbersattel, was nicht heißt, dass es nicht noch Hinweise zu Verbesserungen gäbe. Beispielsweise sieht mancher keinen Sinn darin, warum man unbedingt eine Art "Schneepiste" erhalten muss, um von der Mittelstation per Ski zu den Parkplätzen zu gelangen und umgekehrt. Vielmehr könnte das eine Menge Parkmöglichkeiten ergeben, damit man die, die deswegen den Rückzug antreten, auch noch gewinnt.
Text von Norbert Kleinteich.

