Reserviert nur für die Retter
Gehlberg vor Oberhof. Und die Hiesigen? Weit abgeschlagen. Diese Rangordnung war dieser Tage auf dem Fellberg zu sehen - beim Riesenslalom der Thüringer Bergwachtbereitschaften.
Steinach - Als verlässliche Begleiter des Sportgeschehens auf den Südthüringer Skipisten sind die Bergwachtbereitschaften eine feste Größe. Als rot bejackte Pünktchen in den schneeweißen Hängen hat mancher Freizeit-Alpinist die Retter ohnehin stets im Augenwinkel, gewissermaßen als letzte Sicherheitsreserve für ein rasantes Hobby.
Am vergangenen Wochenende nun hatten die Retter Thüringens größtes Skigebiet für sich alleine reserviert. Bei der mittlerweile bereits sechsten Auflage des Riesenslaloms der Thüringer Bergwachtbereitschaften gönnten sich die Ehrenamtlichen eine fröhliche Schussfahrt in eigener Sache. Rund 30 Starter aus acht Zusammenschlüssen ermittelten ihre Besten - auf dem Wettkampfhang des Silbersattels.
Bei Flutlicht den Berg hinab, das gönnte sich zum Beispiel die sieben Köpfe starke Abordnung aus Oberhof. Am Nachmittag hatten die Freiwilligen noch Schicht in ihrem heimischen Skigebiet geschoben, abends dann gab es geselliges Beisammensein unter Gleichgesinnten in Steinach. Gleichwohl: Der Ausflug ins "befreundete Ausland" vermochte auch bei Ralf Szegunis keine lokalpatriotisch festgefügten Grundsätze zu verrücken. "Die Pisten in Oberhof bleiben doch die Schönsten", zieht Szegunis den Direktvergleich und schmunzelt dabei. Der Bergwacht-Bereitschaftsleiter und die Seinen hatten freilich da schon einen anstrengenden Arbeitstag hinter sich. Gut ein halbes Dutzend Einsätze hatten die Helfer im Oberhofer Skiparadies gemanagt - zum Wohle gestrauchelter Sportler. "Schlüsselbein, Schulter, Schädel-Hirn - die Klassiker eben."
Ansonsten mag sich Szegunis nicht wirklich beschweren. Erste Hilfestellung tat bisher in dieser Saison noch nicht bei allzu vielen Verletzten Not. Mit dem Start in die Schulferienwinterwoche allerdings, so lehrt es die Erfahrung der Vergangenheit, wird wohl die Zahl der havarierter Pechvögel nach oben schnellen. Aber auch das gehört zur festen Begleiterscheinung des flotten Freiluftspaßes. "Skifahren, das ist halt doch ein wenig risikoreicher als Schnellschach", witzelt ein anderer Bergwachtler.
Die Disziplin auf den Pisten im allgemeinen? "Manchmal würde ich mir schon wünschen, dass die Leute die Verhaltensregeln sich wirklich einmal durchlesen", seufzt Szegunis. Öfter passiere es, dass die Retter einen Unfallort absichern, Verunglückte bergen - und trotzdem schere sich mancher Rabauke auf zwei Skiern daran nicht. "Wir versorgen jemanden am Hang", und es wird keine Rücksicht genommen. Oft genug habe er erlebt, dass die Leute auf Tuchfühlung an den Helfern vorbeisausen.
Schnell und wendig zu sein, diese Grundtugend gehört vor der Kulisse rappelvoller Skigebiete dann zum Dienst im Mittelgebirge. Und einen Eindruck ihres Könnens gaben die Bergwachtbereitschaften beim Turnier auf dem Brunnenstadt-Hausberg. In zwei Durchläufen ging es durchs Spalier der Stangen in Richtung Talstation. Und zum Abschluss wurden noch Zweier-Teams gebildet, die mit dem Rettungsschlitten bergab kurvten.
Durchaus zufrieden mit seiner Zeit zeigte sich am Ende Mario Rienecker. Der Mann aus Mengersgereuth-Hämmern, zugehörig zur Neufanger Bereitschaft, benötigte eine Minute und drei Sekunden für den Parcours. Und nach dem Blick auf die Leuchttafel mit den Start-Ziel-Zeiten - dankenswerterweise sicherten die Mitglieder des SV 08 Steinach das Treiben professionell ab - galt Rieneckers nächster Weg der Bratwurst-Bude.
Dort hatte freilich Daniel Gramß seine liebe Not, das Gegrillte auf Betriebstemperatur zu bringen. Mehr als zehn Grad minus zeigte um 19 Uhr das Quecksilber. "Damit Senf und Ketchup nicht einfrieren, muss ich die Tuben mittlerweile schon hinten an den Rand vom Rost stellen", sagt der Enkel der Hüttenwirtin. In der Eiseskälte dieser Tage zu bestehen, das fordert - neben Wollmütze und dicken Socken - schon viel Idealismus. Immerhin: Für die Siegerehrung fand sich dann doch ein warmes Plätzchen in der Sportlerklause.
Wettkampfleiter Konni Lutter, der als Chef der Bergwachtbereitschaft Scheibe-Alsbach zusammen mit dem Landesverband für das flotte Vergnügen verantwortlich zeichnete, ließ sich von Steve Mischke per Motorschlitten zur Prämierung der Besten chauffieren. Und hinterdrein traf auch der Landesvorsitzende der Bergwacht-Bereitschaften Florian Meusel ein.
Als Geschäftsführer des Naturparks Thüringer Wald - zuletzt hatte Meusel bekanntlich als Bundespräsidenten-Beherberger aus Friedrichshöhe auf sich aufmerksam gemacht - würdigte er die Freiwilligen gerne. Ohne deren ehrenamtlichen Absicherungs-Service könnten die vielen Sportveranstaltungen im Wintersportland Thüringen wohl kaum so reibungsfrei über die Bühne gehen. Ob Schanzenspringen, Welt- oder Intercontinentalcups, ob Brotterode oder Oberhof, überall haben sich die im Deutschen Roten Kreuz organisierten Mittelgebirgs-Ersthelfer bestens bewährt.
Beim Riesenslalom in Steinach werde einmal mehr konstitutionelle Fitness und skifahrerisches Können unter Beweis gestellt. "Ohne das geht es gar nicht." Von daher wollte Meusel auch weniger die Gaudi eines solchen Stelldicheins am Steilhang, als vielmehr ihre Praxisnähe im Dienst am Nächsten in den Vordergrund gerückt sehen. "Die Ausbildung, die vielen Lehrgänge; das verlangt den Aktiven schon einiges ab." Den Anforderungen an ein Feuerwehrmitglied stehe die Mitgliedschaft in einer Bergwachtbereitschaft jedenfalls sicherlich kaum nach - eher im Gegenteil. Die rund 30 Aktiven werden sich über die warmen Worte des Lobes ihres Landeschefs zu später Stunde in der Skihütte des SV 08 Steinach gefreut haben. Und als handfeste Anerkennung gab es für die Besten noch Urkunden und Medaillen mit auf den Weg nach Hause.
Ergebnisse:
Beste Mannschaft
Platz 1 Gehlberg 1
Platz 2 Oberhof 1
Platz 3 Oberhof 2
Platz 7 BW Scheibe-Alsbach
Einzelergebnisse
Till Marko-Sölder (Bergwacht Steinbach, AK 6 bis 10);
Emely und Tony Machalett (Gehlberg, Sieger m. und w. in der AK 11 bis 14);
Janine Lämmer (Oberhof, AK 16 bis 30, w.);
Robert Wagner (Oberhof, AK 16 bis 30, m.);
Marc Hirschmann (Gehlberg, AK 31 bis 45 m.);
Birgit Höhlein (Gehlberg, AK 31 bis 45 w.);
Detlef und Christina Seifert (Masserberg, AK 45 bis 60).
Michael Junker (Oberhof, AK 61 plus).

