Drahtseilakt der Retter - Freies Wort vom 28.11.2011

Eine Rettung aus dem Sessellift, dieses Szenario probten am Freitag in einer gemeinsamen Übung Steinachs Feuerwehr und Scheibe-Alsbachs Bergwacht in der Skiarena.

Steinach - Stromausfall in der Skiarena, nichts geht mehr am Silbersattel. Ein technischer Defekt lieferte am Freitagabend den theoretischen Ausgangspunkt einer gemeinsamen Ernstfall-Übung von Brunnenstadt-Feuerwehr und Scheibe-Alsbacher Bergwacht. Die Herausforderung lautete dabei, die Mitarbeiter der Skiarena bei der Bergung von im Sessellift festsitzenden Skifahrern zu unterstützen. Rund hundert Meter oberhalb der Mittelstation - in einer Höhe von rund sechs Metern - mimte dabei Heike Nöll die ausgebremste Spaßpark-Besucherin.

Und ein Helfer mochte sich die Bemerkung nicht verkneifen, die geschäftsführende Sekretärin der Skiarena habe womöglich selbst einen kleinen Blackout gehabt, als sie sich zu dem Wagnis bereit erklärte. Eigentlich hatte die 47-Jährige sich noch schnell einen wärmenden Kaffee mitnehmen wollen auf die Reise nach oben. Doch kaum, dass sie genickt hatte, wurde Nöll auch schon in den Lift geschoben. Ihre Tasse, sie blieb leer - gewissermaßen als symbolische Mahnung an Skiarena-Geschäftsführer Gerhard Müller, ihr den versprochenen Gratis-Glühwein im Nachgang des luftigen Abenteuers auch bitteschön wirklich einzulösen. Pünktlich um 16.30 Uhr folgte die Alarmierung. Mit vier Wagen und 20 Mann Besatzung rückte Steinachs Feuerwehr aus. Zeitgleich brauste ein halbes Dutzend Bergwacht-Kameraden aus Scheibe-Alsbach heran. Einsatzleiter Peter Wangemann und Bergwacht-Chef Konni Lutter ließen sich über die Havarie informieren, teilten die Retter in ihre Aufgaben ein. Das besondere dabei: Weil ein Unglück ja selten allein kommt, sollte gleichzeitig noch nach einem vermissten Skifahrer gesucht werden.

Heike Nöll konnte dann aus gehobener Position heraus das Treiben am Boden beobachten. Derweil das Opfer bei fünf Grad minus auf seinem Freisitz bibberte, erklomm Axel Kirchner den Stahlträger des Lifts, hakte sein Sicherheitsgeschirr ein und ließ sich am Stahlseil zu Nöll gleiten. Unten sicherten derweil gemeinsam mit Liftwart Helmut Matthäi die Feuerwehrleute Andreas Leipold-Büttner und Thomas Scheler das langsame Vorwärts. Kein leichtes Unterfangen. Im losen Geröll war kaum ein Halt zu finden. Reifglätte verschärfte noch den Kraftaufwand. Kirchner hatte schließlich das Opfer erreicht - doch es bedurfte schon einiger Überwindung, bis dieses sich tatsächlich abseilen ließ.

"Denk' einfach, du bist jetzt aufm Kirchweih-Karussell", empfahl zielsicher Übungsbeobachter Holger Jacob. Und auch Gerhard Müller lockte: "Hier unten warten 20 Mann auf Dich!" Ob die Witzeleien Motivation waren oder nicht - mit viel Hallo wurde die Steinacherin schließlich geborgen. Eine wärmende Decke wurde ihr gereicht - und den Glühwein mit Schuss gab es selbstverständlich obendrauf. Eine dreiviertel Stunde hatte Nöll ausharren müssen. Und insgesamt eine Stunde nach der Alarmierung - als auch das vermisste Opfer im Wald geborgen war - konnte die Übung beendet werden. Für ihre kalte Sonderschicht gab es abschließend viel Lob für die Beteiligten. Bis auf Kleinigkeiten sei er sehr zufrieden mit dem Verlauf, erklärte Steinachs Wehrchef Holger Jacob. Auch von Müller gab es Dank. Und als ordentlicher Gastgeber spendierte er zum Ausklang des nächtlichen Drahtseilaktes auf dem Fellberg jedem Retter eine Schüssel Chili und einen Pott heißen Kaffee. anb