Schaulustige sind erwünscht - Freies Wort vom 14.09.2011

Viel Abwechslung verheißt am Samstag der "Tag der offenen Tür" des DRK Sonneberg in der Friedrich-Ludwig-Jahn Straße. Höhepunkt wird eine große Schau-Übung sein.

Von Carmen Fiedler

Sonneberg - Es ist Samstag, 17. September, 16 Uhr: Am Wohnblock der Friedrich-Ludwig-Jahn Straße 14 a bessern gerade Arbeiter einer Fachfirma die Außenfassade des Gebäudes aus. Zu diesem Zweck hat man ein Baugerüst bis auf Höhe des zweiten Obergeschosses hochgezogen. Doch bei der Befestigung des Gerüstes wurde geschludert - um 16 Uhr stürzt das Gerüst mit Karacho ein und begräbt ein Auto unter sich. In dem Pkw sind zwei Personen eingeklemmt. Von den Bauarbeitern, die sich auf dem Gerüst befanden, werden drei unter den Stahl-Stangen begraben. Ein Vierter liegt schwer verletzt auf der Weise.

Und, als ob das alles nicht reicht, kippen in dem Auto hochentzündliche Flüssigkeiten um, so dass es zu einer Rauchentwicklung kommt. Menschen unter Schock, Gaffer, die das Unglück aus nächster Nähe beobachten wollen - was sich wie die Beschreibung einer Tragödie liest, ist in Wirklichkeit das Drehbuch einer Einsatzübung des Deutschen Roten Kreuzes am kommenden Samstag. Teilnehmen werden an ihr Feuerwehr-Leute, Polizei, Bergwacht und Rettungsdienst. Ein fiktiver Unfall, bei dem Schaulustige übrigens ausnahmsweise einmal nicht stören, sondern sogar erwünscht sind.

Das Unfall-Szenario, es umreißt zugleich den Höhepunkt des Programmgeschehens, wenn am Samstag der Sonneberger DRK-Kreisverband zum "Tag der Offenen Tür" bittet. Ab 13 Uhr haben Interessierte dann Gelegenheit einen Einblick in den Alltag der Lebensretter zu gewinnen. Andy Söllner, Kreisbereitschaftsleiter und Leiter für den Katastrophenschutz des DRK, sagt dazu: "Die Einsatzübung dient primär dazu, die Zusammenarbeit der Hilfsorganisationen zu trainieren. Dabei dürfen, da es eine Übung ist, natürlich auch Fehler passieren." Fehler seien sogar wichtig, denn nur so kann man sich verbessern. "Ein Einsatz-Szenario mit sieben Verletzten ist schließlich und Gott sei Dank nicht alltäglich." Solche Großübungen werden ein- bis zweimal im Jahr durchgeführt. "Das ist vor allem eine finanzielle Frage", so Söllner. Denn auch wenn alle Beteiligten ehrenamtlich arbeiten, kosten die Technik und die Vorbereitung doch einiges. Aber: "Nur die Übung macht den Meister", betont Söllner, der für die Organisation des Tags der Offenen Tür verantwortlich ist.

Die groß angelegte Einsatzübung ist sicherlich das augenfälligste Spektakel im Programm, aber die Mitarbeiter des DRK haben noch vieles mehr für die Besucher vorbereitet. Da kann man sich beispielsweise per Fahrzeug- und Geräteschau die Rettungsfahrzeuge des DRK genau anschauen und das Innenleben erkunden. Mitarbeiter beantworten Fragen zu den Fahrzeugen und stehen mit Rat und Tat zur Seite. Das DRK ist "spezialisiert auf Ereignisse, die das Regelgeschäft übersteigen, zum Beispiel wenn ein Reisebus umfällt", sagt Söllner.

So stehen dem DRK nicht nur einfache Rettungswagen zur Verfügung, sondern auch große Laster, Rettungszelte und Rettungsfahrzeuge für bis zu vier Verletzte - alle Fahrzeuge und Ausrüstungen können vor Ort in der Friedrich-Ludwig-Jahn-Straße besichtigt werden. Die Bergwacht ist mit großer Kletterwand vor Ort und zeigt Schauvorführungen. Wer möchte, kann die Gelegenheit nutzen und selbst einmal klettern.

Erste Hilfe trainieren 

Will man sich als Lebensretter ausprobieren, hat man Gelegenheit, Wiederbelebung und Erste Hilfe zu trainieren. Dazu gehören Übungen, wie man einen Verband richtig anlegt oder wie eine Herz-Lungen-Wiederbelebung ausgeführt wird.

Selbstverständlich bietet sich dem Besucher auch die Möglichkeit, wirklich Leben zu retten: mit einer Blutspende. Und natürlich stehen für die potenziellen Lebensretter und Besucher auch Speisen und Getränke bereit. Beim Deutschen Roten Kreuz arbeiten "durchweg ehrenamtliche Helfer", sagt Andy Söllner.

Das Prinzip ist ähnlich wie bei der Freiwilligen Feuerwehr. Sanitäter des DRK beispielsweise absolvieren ihre Ausbildung nebenbei in Wochenendseminaren und helfen in ihrer Freizeit ehrenamtlich, Leben zu retten. Selbst die Ärzte arbeiten unbezahlt bei Übungen und Rettungseinsätzen. Mit dem Tag der Offenen Tür möchte das Deutsche Rote Kreuz in Sonneberg auch darauf aufmerksam machen - ohne die vielen freiwilligen Helfer, die keinen Lohn zu erwarten haben und dennoch ehrenamtlich Hilfe leisten, würde mancher Unfall noch schlimmer ausgehen. Denn oft kommt es auf den schnellen und möglichst reibungslosen Einsatz an. Wie so ein Einsatz aussieht, ist samstags zu erleben, wenn viele Helfer viel leisten. Schließlich lautet der Leitspruch des DRK "Aus Liebe zum Menschen".


Wenn Sie Lust bekommen haben, oder mehr über die Bergwachtarbeit erfahren wollen, dann besuchen Sie uns in Sonneberg. Zu finden sind wir in der Nähe der Kletterwand.