Vierbeinige Lebensretter

Bei der Nachwuchsgewinnung greift die Bereitschaft Scheibe-Alsbach auch auf spektakuläre Aktionen wie die Vorführung einer Rettungshundestaffel zurück

Von Raimund Sander

Steinheid – Ungewohnte Laute ließen dieser Tage die Mädchen und Jungen der Staatlichen Grundschule Steinheid aufhorchen: Auf dem Flur der ersten Etage bellten Hunde. Eigentlich haben Vierbeiner nichts im Schulgebäude zu suchen, also musste es einen besonderen Grund geben.

Schulstunde der besonderen Art: Iris Nußbaum und Gerd Buch von der Rettungshundestaffel Köln sowie Christian Siegel von der Bergwacht Scheibe-Alsbach (von links nach rechts) bei den Mitgliedern der Arbeitsgemeinschaft „Bergwacht“ an der Grundschule Steinheid.


Und den gab es tatsächlich. Denn Lilla, Brix und Borkow sind keine gewöhnlichen Hunde, sie gehören zur Rettungshundestaffel des Deutschen Roten Kreuzes Köln. Und der Besuch galt nicht Schulleiter Gunter Wild, der vorsichtshalber seine Bürotür zum Rückzug offen ließ, sondern den sechs Mitgliedern der im vergangenen Jahr gegründeten Arbeitsgemeinschaft „Bergwacht“. Und die freuten sich natürlich über die unerwartete Abwechslung.

Arbeitsgemeinschaften haben an der Umwelt- und Europaschule eine lange Tradition. Sie bereichern den Unterricht und machen zudem Spaß, nicht zuletzt, weil die Teilnahme freiwillig ist und es hier keine Zensuren gibt. Die Arbeitsgemeinschaft „Bergwacht“ hat jedoch einen besonderen Hintergrund: Gewinnung des dringend benötigten Nachwuchses für die Bereitschaften. „Mit sechs Jungen haben wir begonnen, doch es wäre gut, wenn es noch mehr werden“, meinte Gunter Wild.

Einmal wöchentlich trifft sich die Gruppe und wird dabei im Wechsel von Ausbilder Uwe Müller beziehungsweise von Mitgliedern der Bergwachtbereitschaft Scheibe-Alsbach betreut – natürlich ehrenamtlich. Hier lernen die Kinder, was ein Bergwachtler wissen und können muss, um seine verantwortungsvolle Arbeit erledigen zu können. So werden die Jungen langsam in die Arbeit einbezogen. „Natürlich hoffen wir, sie später als aktive Mitglieder der Bereitschaft begrüßen zu können“, weist Bereitschaftsleiter Konni Lutter auf das Ziel ihrer Bemühungen hin.

Kinder im Grundschulalter an eine ernsthafte Beschäftigung heranzuführen setzt voraus, sie dafür zu begeistern. Das gelingt nicht allein durch theoretischen und praktischen Unterricht, da muss auch ab und zu Action sein. Und genau das war den Scheibe-Alsbacher Bergwachtlern mit dem „Auftritt“ der DRK-Rettungshundestaffel gelungen.

Für Iris Nußbaum und Gerd Buch war das Ehrensache, mit den zwei Labrador Retrievern und dem Rottweiler an der Schule eine Vorführung zu starten – schließlich sind die Kölner und die Scheibe-Alsbacher seit Jahren gute Freunde. „Wir kommen nun schon zum 15. Mal auf den Rennsteig, um unsere Hunde auf die Überprüfung, die alle 18 Monate vorgeschrieben ist, vorzubereiten“, erklärt Gerd. „Leider gibt es bei uns selten Schnee und das nächste Übungsgelände ist 80 Kilometer entfernt. Und hier finden wir ideale Voraussetzungen für die Ausbildung von Hund und Führer.“

Rettungshundestaffel und Bergwachtbereitschaft sind eigentlich untrennbar verbunden, wenn es um die Suche und Bergung von Verletzten in einem unwegsamen Gelände, wie die Rennsteigregion, geht. Allerdings gibt es hier in der Nähe keine Rettungshunde und so sind die Scheibe-Alsbacher froh darüber, wenigstens einmal im Jahr mit den Kölnern ihre Erfahrungen austauschen zu können. „In einem Jahr hatten wir sogar einen richtigen Einsatz“, erzählt Iris Nußbaum, „da mussten unsere Hunde einen Mann suchen.“

Für einen Jungen aus der Arbeitsgemeinschaft sind die Kölner keine Unbekannten. Pauli (Paul) Lutter, der Sohn des Bereitschaftsleiters, nutzt jede Gelegenheit dabei zu sein, wenn sein Vati in Sachen Bergwacht unterwegs ist. Und so war das Hallo groß, als die zwei Hundeführer samt Vierbeinern in Begleitung des einheimischen Bergwachtkameraden Christian Siegel eintrafen. Richtig stolz war Pauli, dass er einen Verirrten „spielen“ konnte, den die Rettungshunde auf dem Schulhof suchen mussten – und zur Freude der anderen Kinder auch nach kurzer Zeit fanden.

Nur kurze Zeit brauchte die sechsjährige Lilla, um Frauchen Iris zu signalisieren, dass sie das „Opfer“ Pauli gefunden hat.


Leider war die Zeit viel zu schnell herum. Gerne hätten die Mitglieder der Arbeitsgruppe noch mit den Hunden gespielt, doch auf die wartete in Siegmundsburg wieder hartes Training, um die anstehende Prüfung auch zu bestehen.

Gerne hätten die Jungen noch mit den Hunden im Schnee gespielt, doch die mussten wieder zurück zur Ausbildung.

Anmerkung der Bergwacht 

Vielen Dank an das Freie Wort, deren Redakteure und hier im Speziellen an Raimund Sander.